Wie man sehr gute Gewohnheiten entwickelt

Das Formen sehr guter Gewohnheiten

Gewohnheiten bilden von der Makro- bis hin zur Mikroebene die Grundlage aller Aktivitäten. Wir alle entwickeln gute, als auch schlechte Gewohnheiten durch die Wiederholung bestimmter Verhaltensweisen, die im Kopf einen neuronalen Weg pflastern, den man immer wieder abläuft. Durch diese neuronalen Wege reduziert der Verstand seine Arbeitsbelastung, denn hier agiert der Kopf wie eine Art Autopilot.

Wir alle haben bereits unsere Erfahrungen mit guten und schlechten Angewohnheiten gemacht. Aber wie bilden sich eigentlich Gewohnheiten und wie schaffen wir Gute, während die Schlechten beseitigt werden?

Sich viel zumuten

Wenn wir uns manchmal zu viel zumuten, verlieren wir oft den Mut. Denke einfach mal an deine bisherigen Erfahrungen. Gab es jemals einen Moment in deinem Leben, an dem du dir etwas zum Ziel gesetzt hast, wie das Abgewöhnen einer schlechten Gewohnheit oder gar dem Entwickeln einer Neuen, aber auf halber Strecke hast du nach mehreren Fehlversuchen schließlich aufgegeben?

Vielleicht wolltest du abnehmen und von der Arbeit auf dem Weg nach Hause nicht mehr ständig am Fast-Food-Laden halt machen. Oder vielleicht wolltest du mit dem Rauchen aufhören, nicht mehr zu viel Geld ausgeben, nicht mehr zu viel trinken oder irgendetwas anderes erreichen, aber es hat einfach nicht geklappt.

Nun, oftmals müssen wir zur Entwicklung guter Gewohnheiten nicht nur von unseren Schlechten ablassen, sondern auch unser natürliches Verlangen, etwas tun oder nicht tun zu wollen, außer Kraft setzen. Dieses Verlangen ist tief in uns verankert und machen es unglaublich schwer, uns von unseren jahrelangen Wiederholungen zu trennen. Klar ist das Brechen von schlechten Gewohnheiten eine enorme Hürde, aber das Aneignen von guten Gewohnheiten ist es auch.

Was also kann man tun?

Wie können wir unsere natürlichen Tendenzen überwinden, von denen wir wissen, dass sie nachteilig für uns sind und uns in keiner Weise bereichern?

Das Überschreiben unserer inneren Psychologie

Die Interaktion, die in unseren Köpfen vor sich geht, macht einen Teil von dem aus, wer wir sind. Interaktion? Ja, unser Verstand ist ein sehr komplexes System, das aus interagierenden Komponenten und Teilen besteht. Eine der Hauptinteraktionen unseres Verstands befindet innerhalb des seelischen Apparates, wie ihn Sigmund Freud, der Vater der modernen Psychologie, nannte.

Die drei Teile des seelischen Apparates sind die ID, Ego und Superego.

Diese drei Teile arbeiten zusammen, um bei der täglichen Entscheidungsfindung zu helfen. Außerdem bilden sie die Grundlage deiner Gedanken im Unterbewusstsein und dem Bewusstsein. Aber die Interaktion zwischen den drei Teilen birgt noch weitaus mehr und ist mit einigem Geben und Nehmen verbunden.

Die ID

Die ID arbeitet nach dem Lustprinzip und tritt nur im Unterbewusstsein auf. Mit diesem Teil werden wir geboren und er ist grundlegend instinktiv. Durch ihn Verspüren wir Bedürfnisse wie essen, auf die Toilette gehen und Fortpflanzung – Dinge, die mit unserer DNA verankert sind. Außerdem ist die ID, wenn sie unkontrolliert bleibt, dafür verantwortlich, die Entwicklung neuer und befähigender Gewohnheiten sehr schwierig zu gestalten. Die ID folgt immer unserem Verlangen, egal wie schuldig es auch sein mag.

Das Superego

Gegenüber der ID liegt das Superego, das bei uns wie ein moralischer Kompass wirkt. Das Superego wird während unserer Erziehung entwickelt, denn durch unsere Eltern oder unseren Erziehungsberechtigten lernen wir, wo unsere Grenzen liegen und wann wir sie überschreiten. Es sorgt auch dafür, dass wir uns schuldig fühlen, wenn wir etwas Falsches getan haben.

Wenn du jemals etwas getan hast, von dem du wusstest, dass du es nicht tun hättest sollen, war es das Superego in dir, das dich dieses unangenehme Schuldgefühl spüren ließ. Demnach wirkt das Superego auch zum vorsichtigeren Handeln gegen die ID, wenn diese uns nämlich dazu anregen will, etwas Freudigem nachzugehen. 

Das Ego

Das Tauziehen zwischen diesen beiden Komponenten – der ID und dem Superego – wird schließlich vom Ego begutachtet. Ja, das Ego hilft bei der Entscheidung, auf welche Art und Weise man handelt. Wirst du den Versuchungen nachgeben oder gehst du lieber auf Nummer sicher und hältst deinen Vergnügungsinstinkt in Schach?

Außerdem ist das Ego auch mit dem Wirklichkeitsprinzip verbunden. Es will dir das geben, wonach du strebst, aber in einem realistischen Rahmen. Wenn du also abnehmen willst, sucht das Ego nach einer Lösung, womit die sofortige Freude der ID befriedigt wird, aber dennoch realistisch in die Tat umsetzbar ist. Darum haben auch so viele von uns immer mal diesen Abnehmtick, wo alles sehr schnell gehen muss. Es ist das Ego, das versucht, die Triebe der ID zu befriedigen und auch uns das zu geben, was wir wollen. 

Das Erschaffen guter Gewohnheiten durch das Überschreiben unserer inneren Psychologie

Wie du also sehen kannst, gehen sehr viele komplexe Interaktionen in deinem Kopf vor, die man nicht einmal vollständig verstehen kann, da ein Teil davon im Unterbewusstsein stattfindet.

Wir Menschen haben etwa 60.000 Gedanken am Tag, wovon die meisten tief in den neuronalen Wegen unseres Unterbewusstseins verankert liegen und auf ganz natürliche Weise zu unserer Gewohnheit gehören, sodass wir größtenteils gar keinen aktiven Einfluss auf sie haben. Wenn man also nicht aufpasst, kann es sein, dass einen diese Gedanken auf eine völlig falsche Spur im Leben bringen.

Also, was sollen wir tun? Wie entwickeln wir gute Gewohnheiten und überschreiben unsere innere Psychologie?

Für eine Entwicklung von guten Gewohnheiten muss man sich zunächst den Selbstgesprächen im Kopf bewusst werden. Obwohl du nicht hören kannst, was in deinem Unterbewusstsein vor sich geht, kannst du die damit verbundenen Gefühle spüren. Deine Emotionen sind quasi wie eine Antenne in deinem Kopf. Wenn wir an etwas sehr Durchsetzungsfähiges und Überwältigendes denken, erleben wir immer ein gewisses Maß an Emotionen.

Wenn wir auf diese Emotionen achten, können wir auf diese weiten Gedanken zugreifen. Was wir dabei allerdings nicht vergessen dürfen, ist das Bewusstsein. Denn wenn wir über keines verfügen, sind wir einfach wie ein Bauer im Schachspiel, der nach der Nase unserer eigenen Gedanken tanzt. Dann tun wir Dinge, ohne uns dessen wirklich bewusst zu sein – wie das Anzünden einer Zigarette oder dem Greifen nach einem Schokoriegel, ohne groß darüber nachzudenken, oder dem Einschalten vom Fernseher, ohne sich überhaupt über seine eigene Handlung im Klaren zu sein. Das geschieht, weil diese Dinge als Gewohnheiten tief in die neuronalen Wege im Kopf gemeißelt sind.

Mit kleinen Schritten gute Gewohnheiten formen

Wenn ein Baby geboren wird, fängt es immer mit sehr kleinen Schritten an, die mit und mit immer größer und bedeutender werden. Allmählich lernt es zu gehen – auch wenn es oft hinfällt. Es lernt zu reden – auch wenn nicht sehr deutlich und mit auslassenden Silben. Aber das Wichtigste ist, dass die Dinge langsam und schrittweise geschehen.

Warum ist das wichtig?

Nun, um gute Gewohnheiten zu entwickeln und die innere Psychologie des Geistes zu überschreiben, musst man genau so kleine Schritte machen, die Schritt für Schritt bedeutender werden. Wissenschaftliche Studien deuten darauf hin, dass kleinere inkrementelle Veränderungen in jedem Bereich ein Weg zu mehr Erfolg sind.

Also, wie macht man „Baby-Schritte“, um gute Gewohnheiten zu entwickeln?

Der schwierigste Teil bei der Entwicklung einer neuer Gewohnheit (oder dem Aufgeben von Alten) besteht für die meisten darin, dass sie nicht wissen, wo sie anfangen sollen. Und dadurch wirkt die Aufgabe im Kopf oftmals viel größer, als sie eigentlich sein sollte. Beginne also mit kleinen Schritten und bewege dich mit kleinen Fortschritten vorwärts. So entstehen sogenannte Mini-Gewohnheiten, ein Begriff, der von Stephen Guise in seinem neuesten Buch Mini-Habits: Smaller Habits, Bigger Results aufgegriffen wird.

Wenn Sie sich selbst beispielsweise versprechen können, einmal am Tag eine Runde um den Block zu laufen, dann machst du einen ersten kleinen Schritt und eignest dir eine Mini-Gewohnheit auf. Und dann wirst du merken, dass diese kleinen Baby-Schritte zu viel größeren Handlungen führen, die inkrementell aufgebaut werden. Wie ein Baby fängst du also klein an und machst langsam Fortschritte.

Auch wenn ein enormer Gewichtsverlust von sagen wir 100 Pfund ein tolles Ziel ist, wehrt sich dein Verstand durch die innere Psychologie dagegen, und dein äußerlicher Wunsch, 100 Pfund zu verlieren wird durch deine inneren Wünsche nach Vergnügen von der ID überschrieben werden.

Also, unternehme stets kleine Schritte. Das ist alles was man braucht, um gute Gewohnheiten zu entwickeln.

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